Logo
Mittwoch, 04.11.2020

„Tierwohl muss gewährleistet sein“

Wie viele Pferde dürfen nach der aktuellen Corona-Regel derzeit gleichzeitig in einer Reithalle bewegt werden? Diese Frage treibt im Moment Reitstallbetreiber und Pferdebesitzer im Land um. Nach Auskunft des Landesverbandes ist die entsprechende Regelung in der Tat interpretationsbedürftig. Gleichwohl stärkt Frank Reutter, Vorsitzender der Landeskommission, die Reiter im Land bei einer Auslegung, die sich am Tierwohl orientiert. Im Zweifel sollte man sich an das örtliche Ordnungsamt wenden und sich auf einen offenen Brief beziehen, der am Mittwoch an die zuständigen Ministerien verschickt worden ist. Er ist unterzeichnet von Landesverbandspräsident Gerhard Ziegler sowie den drei Regionalpräsidenten Frank Reutter (Württemberg), Dr. Gerhard Klotz (Nordbaden) und Iris Keller (Südbaden). Darin finden die Verbandschefs klare Worte.

Hintergrund der unklaren Situation ist, dass in den aktuellen Coronahinweisen von einer Begrenzung auf zwei Reiter die Rede ist, die gemeinsam den Individualsport Reiten ausüben dürfen. Die Angabe der Fläche in einer Reithalle, wie sie im Frühjahr in die Regeln eingeflossen war, ist weggefallen. Das wird nicht weiter definiert. „Das wurde wohl einfach vergessen“, schätzt Frank Reutter. Deshalb fordert er jetzt im Schulterschluss mit den weiteren Spitzenvertretern der Verbände eine Konkretisierung durch das Ministerium. Bis zu einer eindeutigen Klärung sollten sich die Reitanlagen-Betreiber an den Inhalten des Schreibens orientieren.

Im Frühjahr waren nach Empfehlung der FN vier Pferde gleichzeitig in einer 40-Meter-Halle zulässig gewesen. "Wir gehen davon aus, dass man zu diesem Wert auch wieder kommt", so Reutter.

Der Brief im Wortlaut:

„Mit ca. 870 Vereinen und 98.600 Mitgliedern, 520 Betrieben und ca. 200.000 Pferden sind wir in Deutschland der stärkste Pferdesportverband. Durch die fortgeschrittene Jahreszeit entsteht die Problematik die uns anvertrauten Pferde nicht mehr ausreichend sicherheits- und tierschutzkonform zu bewegen. Dazu kommt, dass der tägliche Weidegang nicht mehr möglich ist. Dies erschwert die Einhaltung des Tierschutzgesetzes in Anbetracht der neuen Corona-Verordnung, die seit 02. November gültig ist. Sie erlaubt die Ausübung des Freizeit-und Amateurindividualsports nur noch allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts. Unklar bzw. gar nicht formuliert ist, ob der Ausbilder, der in diesem Fall auch als Hygiene-und Sicherheitsbeauftragter fungiert, damit den Aktiven nichts passiert, zu den zwei Personen zählt, oder nicht. Hier bitten wir um die Klarstellung, dass der Ausbilder als weitere Person in der Halle die Sicherheit der Aktiven überwachen darf.

Ausreichender Abstand zu den Personen auf den Pferden ist ohnehin immer gegeben. Das Tierwohl muss auch in diesen Zeiten gewährleistet werden. Auf Reitanlagen mit vielen Pferden und meist nur einer Halle ist dies momentan nach der aktuellen, unklaren Formulierung nicht umsetzbar. Da die Jugendlichen in der Schule und die Erwachsenen berufstätig sind, drängt sich die komplette Pferdebewegung in die Abendstunden. Die Nutzung der Außenplätze, diese können lt. der gültigen Verordnung vom 02. November von mehreren individualsportlich aktiven Personen unter Einhaltung der Abstandsregeln genutzt werden, ist in dieser Jahreszeit aufgrund der Witterung und den dadurch bedingten schlechten Bodenverhältnissen nur schwierig bzw. überhaupt nicht möglich.

Neben der früh einbrechenden Dunkelheit kommt hinzu, dass es durch die Winterzeit zum Gefrieren des Bodens und Schneefall kommen kann, so dass ein Bewegen der Pferde im Freien nicht mehr gefahrlos möglich ist. Nach den Tierschutzrichtlinien müssen die Pferde täglich ausreichend bewegt werden, ansonsten verstoßen wir gegen das Tierschutzgesetz. Aus diesem Grund ist das Bewegen von Pferden aus Tierschutzgründen auch in geschlossenen Hallen in den Corona-Verordnungen anderer Bundesländer ausdrücklich geregelt.

Wir bitten daher zur Rückkehr der im Frühjahr gut praktizierten Regelung von 200m²pro Pferd in der Halle. Damit kann der notwendige Abstand von 1,5m problemlos eingehalten werden und die Vereinsmitglieder können die in ihrer Obhut stehenden Pferde noch ausreichend bewegen. Damit könn-ten dann auch die Vorgaben des Tierschutzes und die Gesunderhaltung der Pferde weitestgehend gewährleistet werden. Reithallen sind meist an mehreren Stellen in Fassade und Dach offen und damit nicht mit z.B. geschlossenen Sporthallen zu vergleichen. Die Durchlüftung einer Reithalle ist ständig gewährleistet und es steht bei einer Halle von 20x40 m Grundfläche meist ein Luftvolumen von über 4.000 m³ zur Verfügung. Die momentan gültige Regelung schädigt unsere Vereine und Schulbetriebe, die sich vom ersten Lockdown im Frühjahr noch nicht erholt haben, nochmals und treibt viele unnötigerweise in den Ruin, obwohl die Abstands-und Hygienevorschriften schon durch den Partner Pferd sehr gut sichergestellt werden können.

Wir bitten Sie darum, sich für eine eindeutigere Formulierung der Zwei-Personen-Regel und der Nutzungsmöglichkeiten der Reithallen im Sinne des Tierwohls einzusetzen. Bei der derzeitigen Rechtslage sind wir gezwungen, entweder gegen die Corona-Verordnung oder das Tierschutzgesetz zu verstoßen. Bitte berücksichtigen Sie dabei auch, dass es im Pferdesport in Baden-Württemberg in der Vergangenheit zu keinen nennenswerten Infektionszahlen gekommen ist und die Vereine somit unter Beweis gestellt haben, dass die umgesetzten Hygienekonzepte auf den Reitanlagen funktionieren.“

Top

Diese Webseite verwendet Cookies

Unsere Webseite verwendet Cookies und ähnliche Technologien um die einwandfreie Funktion der Webseite zu gewährleisten, Inhalte zu personalisieren und den Datenverkehr zu analysieren. Mit der Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Mehr Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.