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Sonntag, 10.01.2021

Rulaman ist tot

Er ist 25 Jahre alt geworden – und so war es fast eine Art Silberne Hochzeit zwischen der Münsinger Dressurausbilderin Bärbel Eppinger und dem Oldenburger Hengst Rulaman. Sie sind gemeinsam ein Vierteljahrhundert durchs Leben gegangen, fast ohne einen Tag getrennt gewesen zu sein. Auf dem Lerchenhof der Familie Eppinger in Münsingen auf der Schwäbischen Alb ist Rulaman 1996 geboren, dort ist er vor wenigen Tagen auch eingegangen. Der gekörte Rubinstein-Sohn war eine große Pferdepersönlichkeit mit Familienanschluss. "Er war ein Geschenk", sagt seine Reiterin über ihn.

Und mit fast 30 000 Euro Gewinnsumme ist er auch eines der erfolgreichsten Pferde, die im Land eingesetzt worden sind. 2007, 2008 und 2009 war Bärbel Eppinger mit dem kapitalen Dunkelbraunen, der sich so machtvoll auf die Hinterhand setzen konnte, Landesmeisterin und zog in die Große Tour der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle ein. In diesen Jahren sammelte das Paar weit über ein Dutzend vorderer Grand-Prix-Platzierungen und Siege, einige auch auf internationalem Parkett. Rulaman war stets ein Paradebeispiel dafür, wie ein kraftstrotzender Hengst durch gute Ausbildung auf die feinsten Hilfen einer zierlichen Reiterin reagiert, denn trotz des Kalibers des Hengstes sahen die Vorstellungen immer leicht und spielerisch aus. Rulaman wirkte immer motiviert, als wollte er seiner Reiterin alles Recht machen. Bätrbel Eppinger und ihr Hengst – das war mehr als eine normale Pferd-Reiter-Kombination.

Wie schon seine Mutter, die Württemberger Stute Romanze, kam Rulaman auf dem Lerchenhof auf die Welt. Bärbel Eppingers Bruder Heiner Eppinger, beide sind Pferdewirtschaftsmeister, brachte ihn gewissermaßen zur Welt. Der Hengst wuchs auf der Schwäbischen Alb auf und zog dann, wie zehn Jahre zuvor seine Mutter, auf die Wintermühle in Neu-Anspach nördlich von Frankfurt um. Dort war Bärbel Eppinger in den 90er-Jahren als Ausbilderin tätig. Auch Romanze aus der Anola von Adjudant/Julmond hatte sie bis zur höchsten Klasse ausgebildet.

Siebenjährige gewann Rulaman seine erste S-Dressur, zehnjährig war er bei seinen ersten Grand Prix-Einsätzen gleich platziert.  

Vor seiner erfolgreichsten Zeit im Grand Prix-Sport, Ende der 2010er-Jahre, stand Rulaman, genannt „Ruli“, aber auch Bärbel Eppingers Nichte Anne Eppinger als Juniorenpferd zur Verfügung. Die nächste Berufsreitergeneration der Familie fasste in de Landesspitze Fuß: 2003 gewann Anne Eppinger in Rulamans Sattel Bronze bei den Junioren, 2007 konnte sie ihn nochmal beim Preis der Besten einsetzen. Aufgrund seiner sportlichen Leistungen wurde Rulaman 2005 gekört.

2011 ritt Bärbel Eppinger das Pferd ihres Lebens in seiner letzten Grand Prix-Saison, 2012 zeigte ihr Sohn Marc den Hengst nochmal in einer L-Dressur, beide sind im selben Jahr auf die Welt gekommen. Danach genoss er fast noch zehn Jahre lang das Rentnerdasein auf der Schwäbischen Alb. Eine Verletzung am Krongelenk heilte nicht mehr aus, so dass Rulaman von seinen Schmerzen erlöst werden musste.  (rok/Foto: privat)

Foto: Lafrentz
Foto: Lafrentz
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