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Sonntag, 01.11.2020

Reutter: „Wieder eine Hängepartie“

Der Pferdesport kommt diesmal glimpflicher davon als beim ersten Lockdown in März, findet auch Landeskommissions-Vorsitzender Frank Reutter im aktuellen Reiterjournal-Interview. Die Turnierreiter dürfen weiter trainieren und trainiert werden – nur Gruppenunterricht (und demzufolge Gruppenvoltigieren) ist ab Montag, den 2. November, den ganzen Monat lang nicht zulässig. Reitschulen und Vereine mit großen Schulbetrieben trifft es hingegen also hart, denn das Reiten ist eben nur mit einer weiteren Person aus einem Haushalt erlaubt. Laut Frank Reutter, dem LK-Vorsitzenden und Präsidenten des Württembergischen Pferdesportverbandes, ist dabei „Spielraum für kreative Lösungen“. Zum Beispiel könnten ja jeweils zwei Reiter einem Reitlehrer zugeordnet werden. Anders als im Frühjahr gibt es diesmal keine Angabe, wie viele Pferde gemeinsam in der Halle sein dürfen. Andere Länder richten sich nach der FN-Empfehlung von 150 bis 200 Quadratmeter pro Pferd.

Eine eigene Corona-Verordnung Sport lag in Baden-Württemberg bis Sonntagabend noch nicht vor, obwohl die neuen Regeln schon ab Montag gelten. Frank Reutter kritisiert das im Interview mit Reiterjournal-Redakteur Roland Kern.

Herr Reutter, irgendwie haben wir im Moment alle ein Deja-Vu-Gefühl, geht Ihnen das genauso?
Ja, leider so ist es, obwohl man damit natürlich jetzt hoffentlich besser umgehen kann.

Was erinnert Sie im Moment an den ersten Lockdown vom Frühjahr?
Er kommt ebenfalls sehr kurzfristig und die Informationen der Politik an den Sport sind leider wieder dürftig. So ist die CoronaVOSport heute (1.11.2020) noch nicht aktualisiert, obwohl diese zum 2.11.2020 angepasst gelten muss. Wir haben nur die Infos aus der allgemeinen CoronaVO. Wir haben also leider wieder eine Hängepartie für Vereine und Schulreitbetriebe, die hatte vermieden werden können. Ich hätte, mit den Erfahrungen nahezu eines Jahres, eine bessere Kommunikation und Vorbereitung seitens der Politik und der Behörden erwartet.

Und was ist jetzt anders?
Ich glaube, die Menschen können besser damit umgehen, was aber auch leider das Risiko einer größeren Leichtfertigkeit in sich birgt. Es bleibt zu hoffen, dass die Vereine die guten Hygienekonzepte aus dem Frühjahr auf den Reitanlagen wieder konsequent umsetzen und es zu keinen Infektionen kommt.

Sportstätten geschlossen, aber der Individualsport darf weiter betrieben werden - wie soll das konkret umgesetzt werden?
Unsere Reitanlagen sind nicht mit Sportanlagen der anderen Sportarten zu vergleichen. Bei uns sind meist unsere Partner, die Pferde, auf den Reitanlagen beheimatet. Diese Pferde müssen natürlich weiter versorgt, bewegt, ausgebildet und trainiert werden, das gebietet schon der Tierschutz. Dies stellt in unserer kontaktfreien Sportart auch kein Problem dar, haben wir doch den Sicherheitsabstand beim Umgang mit dem Pferd quasi „eingebaut“. Und dass die Pferdesportler mit den Abstands- und Hygienevorschriften umgehen können, haben sie in den letzten Monaten hinreichend unter Beweis gestellt. Es sind mir in Baden-Württemberg keine Reitanlagen bekannt die unter Quarantäne gestellt werden mussten oder wo es im Nachgang zu Trainings- oder Turnierveranstaltungen zur Anforderung der Anwesenheitsnachweise zur Nachverfolgung von Infektionen gekommen wäre.

Darf geritten und sportlich trainiert werden?
Davon gehe ich aus, da ja ausdrücklich „Sport alleine, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand“ vom Verbot ausgenommen sind.

Dürfen Ihrer Ansicht nach auch externe Trainer auf Reitanlagen?
Auch davon gehe ich aus, da diese ja ihren Beruf ausüben dürfen und der Unterricht mit sehr großem Abstand stattfindet.

Im Frühjahr gab es sehr unterschiedliche Informationen, ist der Informationsfluss zu den Behörden jetzt besser?
Leider überhaupt nicht. Ganz konkret kann man in der vergangenen Woche von keiner direkten Information sprechen. Wir erhalten unsere Informationen durch Recherche im Internet oder Informationen aus den Medien.

Im Frühjahr haben Sie auch moniert, dass die Kommunikation mit der Landesregierung mühsam ist. Hat sich das gebessert?
Nein, leider ebenfalls überhaupt nicht. Offizielle Informationen der Landesregierung an uns Pferdesportler sind momentan nicht vorhanden.

Haben Sie den Eindruck, die örtlichen Ordnungsämter haben mittlerweile ein größeres Verständnis für die Reiter?
Ja, aus den Erfahrungen aus dem Frühjahr haben alle gelernt. Das Verständnis für die besondere Situation im Pferdesport ist durch bessere Informationen zu unseren Ängsten und Nöten gefühlt grundsätzlich besser geworden.

Wie und wo können sich Reitervereine und Betriebe am besten ihre Informationen holen (außer natürlich beim Reiterjournal)?
Wir informieren über die Homepage des Landesverbandes und der Regionalverbände, sowie über Facebook und in konkreten Einzelfällen per Email. Die Geschäftsstellen sind auch telefonisch erreichbar.

Jeder Mensch macht Fehler, in Krisenzeiten sowieso. Was wollen Sie diesmal anders machen?
Im Frühjahr haben die Vereine und die Verbände bereits bewiesen, dass flexibel und schnell auf neue Situationen reagiert werden konnte. Wir können jetzt mit den Erfahrungen aus dem Frühjahr sicher an der ein oder anderen Stelle noch besser und effektiver reagieren.

 

 

 

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