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Donnerstag, 05.11.2020

Mehrere in der Halle? Das Ordnungsamt entscheidet!

Eigentlich dachte man sich, zum zweiten Lockdown wären alle Regelungen klarer und einfacher - denn es konnte ja von den Erfahrungen des ersten Lockdowns profitiert werden. Und ja - die Landesregierung hat auch vieles klar gestellt und direkt im Fragen- und Antworten-Katalog aufgenommen. Doch eine Situation ist jetzt dringlicher und anders als im Frühjahr: der Winter, die Dunkelheit, die Temperaturen. Die Pferde können nicht mehr alle draußen geritten werden - und müssen doch bewegt werden.

Und deswegen wirft die Verordnung mit der Formulierung, dass „nur im Freien weitläufige Sportanlagen und Sportstätten, wie z.B. Golfplätze oder Reitplätze, auch zeitgleich von mehreren individualsportlich aktiven Personen genutzt werden“ können große Fragezeichen auf.

Was ist mit der Halle? Hier heißt es:

"Seit dem 2. November können öffentliche und private Sportanlagen und Sportstätten – wie Reithallen oder Reitanlagen – im Freizeit- und Amateurindividualsport nur allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts genutzt werden."

Martin Frenk, Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Südbaden, erhielt nun vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutze eine ausführliche Antwort, die auch in den Fragen- und Antworten-Katalog aufgenommen werden soll:

Das Infektionsgeschehen hat in den vergangenen Tagen und Wochen auch in Baden-Württemberg eine besorgniserregende Entwicklung genommen. Die Zahl der Neuinfektionen steigt landesweit an. Deshalb müssen wir zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um die Ausbreitung des Corona-Virus wieder zu verlangsamen. Derzeit lässt sich bei 75 Prozent der Infektionen der Ursprung nicht mehr feststellen und zuordnen. 

Der exponentielle Anstieg der Neuinfektionen, die schon jetzt hohe Auslastung der intensivmedizinischen Kapazitäten im Land und der Umstand, dass eine umfassende Nachverfolgung von Infektionsketten nicht mehr gewährleistet werden kann, machen zusätzliche Maßnahmen zur flächendeckenden Reduzierung des Infektionsgeschehens und zur Abwehr einer akuten Gefahrenlage erforderlich. Die seit dem 2. November 2020 in Kraft getretenen Maßnahmen sind zeitlich befristet und gelten bis Ende des Monats. Die Landesregierung ist sich bewusst, wie hart dies vor allem für Betriebe ist, die viel Arbeit in die Umsetzung der Hygienekonzepte gesteckt haben. Es geht jetzt jedoch darum, Kontakte wo es möglich ist, zu beschränken.

Seit dem 2. November können öffentliche und private Sportanlagen und Sportstätten – wie Reithallen oder Reitanlagen – im Freizeit- und Amateurindividualsport nur allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts genutzt werden.

Nur im Freien dürfen weitläufige Sportanlagen und Sportstätten – wie z.B. Reitplätze – auch zeitgleich von mehreren individualsportlich aktiven Personen im Sinne der Verordnung unter Einhaltung der Abstandsregeln genutzt werden. Voraussetzung für die Nutzung ist, dass keine Umkleiden, Sanitäreinrichtungen oder Materialräume (Sattelräume etc.) geteilt werden und Personen, die nicht gemeinsam sportlich aktiv sind, sich nicht begegnen.

Ob und inwieweit eine Reithalle vor Ort aufgrund von Belüftungsmöglichkeiten oder der bestehenden Möglichkeit Hallenseiten komplett zu öffnen einer Sportanlage/-stätte im Freien gleichzusetzen ist, muss letztlich im Einzelfall vor Ort beurteilt und entschieden werden. Das Ministerium kann leider nur allgemeine Hinweise zur Auslegung der CoronaVO geben. Bei Zweifelsfragen ist das zuständige Ordnungsamt heranzuziehen , siehe dazu § 20 CoronaVO. Sollte in diesem Zuge vor Ort festgestellt werden, dass eine Reithalle aufgrund der vor Ort zur Verfügung stehenden Möglichkeiten einer Sportanlage/-stätte im Freien gleichzusetzen ist, kann auch diese zeitgleich von mehreren individualsportlich aktiven Personen genutzt werden. Wir empfehlen diesbezüglich eine Begrenzung von maximal einer Person pro 200 Quadratmeter und weisen nochmals eindringlich auf die Reduzierung von physischen Kontakten auf der Anlage hin. Der Infektionsschutz und die damit verbundene weitere Eindämmung des Corona-Virus haben oberste Priorität.

Grundsätzlich ist Reiten also nur individualsportlich, das heißt alleine, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts erlaubt. Gruppenunterricht oder /-kurse sind aktuell nicht möglich. Für Ausritte gelten die Regelungen für Treffen und Ansammlungen im öffentlichen Raum. Grundlage hierfür sind die Vorgaben gemäß § 1 a Absatz 2 CoronaVO. Demnach sind Ansammlungen nur gestattet mit Angehörigen des eigenen Haushalts oder mit Angehörigen des eigenen und eines weiteren Haushalts einschließlich deren Ehegatten, Lebenspartnern, Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, Verwandten in gerade Linie, mit insgesamt nicht mehr als 10 Personen.

Was bedeutet das nun? Wie im Frühjahr: auf zum Ordnungsamt, die Situation direkt klären. Wir vom Reiterjournal haben schon von einigen Regelungen gehört, wo mehr als zwei Reiter gleichzeitig in der Halle sein dürfen, weil die Luftzufuhr gewährleistet ist. Gehen Sie mit guten Argumenten zum Ordnungsamt, erklären Sie, wieviele Pferde sie haben, die nach dem Tierschutzgesetz bewegt werden müssen und dass durch die einbrechende Dunkelheit, aber auch die Temperaturen, ein reines Reiten auf dem Außenplatz nicht mehr möglich. Überzeugen Sie mit einem Hygiene- und Sicherheitskonzept und der Belüftung der Halle. Die meisten Ordnungsämter reagieren verständnisvoll. (mos)

Foto: Adobe Stock/Tanja Esser

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