Logo
Samstag, 15.06.2019

Spektakulärer Special bringt Schneider Deutschen Meistertitel


Dass die erste Goldmedaille im Viereck von Balve hart umkämpft sein wird, zeichnete sich schon im gestrigen Grand Prix ab. Der nach langer Pause wiedergekehrte, mittlerweile 13-jährige Showtime machte es unter Dorothee Schneider den Weltmeisterinnen Isabell Werth und Bella Rose schon beim Auftakt nicht leicht. Doch es wurde im heutigen Special noch spannender als es der gestrige Tag erahnen ließ.

Deutlich verbessert brachte die Nummer eins der Weltrangliste zunächst Emilio an den Start, der sich zuletzt in einer Berg- und Talfahrt befand. Mit Piaffen und Passagen wie ein Uhrwerk sowie Traversalen in üblicher Werth-Manier punktete sich der Westfale zur Führung bei über 79 Prozent. Doch die Favoriten standen im letzten Drittel des Feldes noch aus. Mit Dorothee Schneider und "Showi", wie sie ihn liebevoll nennt, wurde es schließlich ernst. Einer überragenden Trabtour - mit den wohl besten Passagen im ganzen Feld und einem Zwischenergebnis von über 85 (!) Prozent - folgte eine Schrecksekunde: Showtime galoppierte aus der Passage falsch an. Doch Schneider und das "Passage-Wunder" fanden schnell zurück in die Spur und brachten einen überzeugenden Special nach Hause. 80,745 Prozent erschienen auf der Anzeigetafel. Drei Richter sahen die beiden vorne, zwei am Ende auf Platz vier. Jessica von Bredow-Werndls langbeinige Easy Game-Tochter TSF Dalera BB folgte und machte ihren Anspruch auf einen Platz im Nationenpreis-Team von Aachen deutlich. Doch die ehemalige Louisdor-Preis Siegerin fand nicht zur Gelassenheit des Vortages. Ein durchgehend pinselnder Schweif und wiederkehrende Spannung waren teuer. Mit 79,58 Prozent blieb sie hinter Schneider und Werth mit Emilio zurück.

So hatte es Bella Rose zum Abschluss in der Hand. Und die Letzten sollten heute in Balve am Ende nicht die Ersten sein: Nach einem energiegeladenen Einstieg, ausdrucksstarken Piaffen und Passagen sowie fast eilig wirkenden Verstärkungen galoppierte auch "Bella", die seit Stuttgart 2018 verdient in die Turnierpause gegangen war, falsch an. Danach war völlig der Faden gerissen. Die 14-fache Deutsche Meisterin bog auf die Diagonale zu den Serienwechseln ab, doch eigentlich wären Galopptraversalen angestanden. Auch nach einem kurzen Durchatmen führte kein Weg zurück zu gewohnter Form. Mit 79,471 Prozent blieb für die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten beim Ausritt nur ein Kopfschütteln und mit Bella Rose Platz vier. Schneider holte sich damit hochverdient den zweiten Deutschen Meistertitel ihrer Laufbahn vor Werths Zweitpferd Emilio. Bronze ging nach Aubenhausen an Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB. Am morgigen Sonntag stehen die Entscheidungen in der Kür an. Dann ohne Bella Rose, die bei ihrem Turnier-Comeback nur ganz gezielt eingesetzt werden soll. (FA)

Foto: Lafrentz

Top