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Dienstag, 09.07.2019

„Ich hoffe sehr, dass es nach Riesenbeck weiter aufwärts geht!“


Drei Tage nach der DM in Riesenbeck, bei der Michael Brauchle trotz eines gebrochenen Beins nach 2015 erneut Deutscher Meister geworden war, sprach das Reiterjournal mit dem Vierspännerfahrer aus Aalen über seine weiteren Pläne. Da hatte der auf der Ostalb heimische Fahrer beim Training seines Gespanns schon wieder die Leinen geführt, aber auch Pausen eingelegt, um sein verletztes Bein nicht allzu sehr zu strapazieren.

Nach dem für ihn selbst überraschenden erneuten Titelgewinn in Riesenbeck hatte er schon in Riesenbeck gegenüber der Presse selbstkritisch angemerkt: „Nach dem Gewinn der EM 2015 war es bei mir nicht mehr rund gelaufen. Ich hatte viele Ausfälle und viel Pech. Jetzt habe ich wieder ein viel versprechendes Gespann mit der erfahrenen Stute Carola und den drei jungen Warmblütern Don, Djamilo und Hennessy beisammen. Sie haben bei der DM viel ausgeglichen und sich als echtes A-Team bewährt.“ Der Fahrer, fügte er hinzu, sei leider nur B-Klasse gewesen. Nach zwei schwierigen Jahren sei er nun aber zuversichtlich, dass es wieder aufwärts geht. Bei der Geländefahrt rund um die Surenburg hatte der Ostälbler mächtig die Zähne zusammenbeißen müssen. Denn die drei Wochen zuvor im niederländischen Valkenswaard erlittenen schweren Bein-Verletzungen waren da noch nicht ausgeheilt. In Valkenswaard war nach allzu rasanter Marathon-Fahrt die Kutsche gekippt und hatte seine rechte Kniebeuge gerammt. Ein gebrochenes Wadenbein, ein gerissenes Kreuzbann und ein schmerzhafter Bluterguss waren die Folge. Das gerissene Kreuzband kann erst nach Abheilen des Blutergusses operiert werden - das dauert noch. Mit Einverständnis seines Arztes hatte er trotzdem für die DM trainieren und sogar starten können. In Riesenbeck war das das verletzte rechte Bein mit zwei Alu-Schienen fixiert und fest bandagiert. Bremsen konnte Michael Brauchle ungewohnt nur mit dem linken Fuß. Nach der Marathonfahrt war er froh, dass alles vorbei war und kündigte an: „Nach der DM werde ich mich keinen Meter mehr bewegen, sondern auf dem Sofa liegen und mein Bein schonen.“ Die Schmerzen seien heftig gewesen, räumt er gegenüber dem Reiterjournal ein, besonders bei der Fahrt durchs unebene Gelände.

„Nach dem Unfall in Valkensward haben mich meine Freundin Petra Beyrle, die Familie und viele Bekannte unterstützt. Sie haben mir beim Training geholfen und mich darin bestärkt, trotz meiner Verletzung bei der DM in Riesenbeck zu starten“, betont Michael Brauchle. „Die Top-Leistungen in Riesenbeck verdanke ich deshalb nicht nur meinen Pferden, sondern auch meinen Beifahrern Petra Beyrle aus Aalen-Waldhausen und Franz Gruber aus dem bayrischen Fischbachau.“ Beigetragen habe aber auch, dass er sich bei der DM in seiner Fahrweise „mehr  zurückgenommen habe“. Schon in der Dressur seien die Pferde ruhig und konzentriert gegangen. „Als Warmblüter haben sie eindeutig mehr Gang als meine früheren Gespannpferde.“

Trainieren kann Michael Brauchle weiterhin nur mit einem luftbereiften Wagen, bei dem er zudem den Reifendruck verringert hat. „Das Stoßen und Schütteln auf einer Geländekutsche bereitet mir die meisten Schmerzen. Wie schon in Riesenbeck muss ich das verletzte Bein auch nachts kühlen. Ich darf es zwar zu etwa zwanzig Prozent belasten, zu Fuß fortbewegen kann ich mich deshalb nur eingeschränkt.“

Michael Brauchle konzentriert sich deshalb zunächst auf die Vorbereitung für Aachen. Erst danach kommt für ihn die EM in Donaueschingen. „Ob ich in Aachen die Mannschaft komme, hängt ja nicht nur von meinen Leistungen ab, sondern auch von dem Leistungen der anderen deutschen Fahrer. Wenn Christoph Sandmann in Aachen sein Top-Gespann selbst fährt, ist er wie Mareike Harm und Georg von Stein ebenfalls ein Kandidat für das Team.“ An den Fahrern aus den Niederlanden in Top-Form dürfte nach Brauchles Einschätzung aber weder in Aachen noch bei der EM in Donaueschingen ein Weg vorbeiführen, „weder in der Einzel- noch in der Mannschaftswertung.“ Schwächer sei die Konkurrenz aus Belgien, Frankreich und Ungarn einzuordnen. „Gegen die dürften wir eher eine Chance. haben, zumal wir in Donaueschingen eine Art Heimvorteil haben.“ Ob und wie sich die im Donaueschinger Schlosspark für die EM neugestalteten acht Geländehindernisse auswirkten, müsse abgewartet werden. (heo)

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