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Mittwoch, 03.01.2018

Goldenes für Gorski


"Ceddy" macht es seiner Reiterin nicht leicht. Der Wallach war als junges Pferd misstrauisch gegenüber Menschen, er wär ängstlich und eigensinnig zugleich. "In allen Punkten eine Herausforderung", sagt die Sandhausener Dressurreiterin Manuela Gorski über ihren großen Fuchswallach, den alle "Ceddy" nennen, der aber als eingetragenes Turnierpferd mit bürgerlichem Namen Sir Saburo heißt. Die Dressurreiterkarriere der heute 34-jährigen gelernten Bank- und Immobilienkauffrau verlief nie ganz gerade, aber im Zickzackkurs nach oben.

Dass Manuela Gorski jetzt am Samstag im Rahmen des "Wolf-Turniers" in Eppelheim ihr Goldenes Reitabzeichen verliehen bekommt, hängt aber wesentlich mit diesem "Ceddy" zusammen. In seinem Sattel stieg die gebürtige Rheinländern in der Saison 2017 in die Drei-Sterne-Klasse auf, die Königsklasse des Dressursports mit Lektionen wie Piaffe und Passage. Mit knapp einem Dutzend Platzierungen schaffte sie Ende des Jahres in der Halle von Göppingen mit einem fünften Platz im Grand Prix die Voraussetzungen für das Goldene Reitabzeichen, das ist die höchste Verbands-Auszeichnung, die ein Turnierreiter im Sport erreichen kann.  Die Verleihung findet am Samstag, 5. Januar um 17.30 Uhr vor dem S-Springen statt.  Die Birkighöfe in Eppelheim sind ihr Stammverein.

Die Frage, ob  sie denn im Sport ein Profi sei, der mit Reiten Geld verdient, oder ein Amateur, der sein Hobby ausübt, beantwortet Manuela Gorski mit einem klaren „Jein“.  Wer ihre reiterliche Laufbahn verfolgt, versteht diese Selbsteinschätzung: Sie war beides schon. 

Das Reiten hat sie gemeinsam mit ihrer Schwester Julia, die heute erfolgreich Springen reitet, im Reiterverein ihres Geburtsortes Castrop-Rauxel im Ruhrgebiet begonnen. Nach dem Abitur schloss sie eine Bankausbildung ab, spezialisierte sich später auf Immobilien und Finanzierungen. Parallel dazu begann sie, Pferde auszubilden. Eine zeitlang war sie komplett als Bereiterin am Stall der Dressuraubilderin Kirsten Heek in Coesfeld angestellt.

Seit 2012 ist Manuela Gorski im Raum Heidelberg ansässig, ihr Mann wechselte damals berufsbedingt in die Region. Seither tut sie beides und nennt dies im besten Sinne „semiprofessionell“. Sie reitet zum Spaß, aber mit einem professionellen Anspruch – eigene Pferde wie ihren Sir Saburo, aber auch die Pferde der Sandhausener Familie Kastner aber auch junge vierbeinige Talente von Marion Gräbener vom Schafhof in Anzhausen bei Siegen.

. Im kleinen Kastner-Dressurteam mit eigenem kleinen Stall ist sie die Ausbilderin; die junge Sophia Kastner ihre Musterschülerin. Ihre Brötchen verdient sie aber in Teilzeit dort, wo der Hafer blüht: im Rechnungswesen der Ebert-Mühle in Dielheim. Das Unternehmen gehört mit seinen Pferdefutterprodukten der Marke St. Hippolyth zu den wichtigsten in Europa.

2012 bestritt sie ihr erstes Turnier mit dem aufgeregten Sir Saburo, der bis dato als „unreitbar“ galt. Manuela Gorski steckte alle erdenkliche Mühe in den Schlaks auf vier Beinen.  An ihr erstes gemeinsames Turnier 2012 in Reilingen erinnert sie sich heute schmunzelnd. „Sehr abenteuerlich“ sei es gewesen. Dann wurde die Mühe belohnt: 2013 die erste S-Platzierung im hessischen Niederwiesen, ein Jahr später der erste S-Sieg im pfälzischen Frankenthal. 2015 folgte der erste Zwei-Sterne-Sieg und der Gewinn der Nordbadischen Meisterschaft, 2017 – nach einer erneuten schöpferischen Pause – war dann der Knoten geplatzt. „Ceddy“, der Hochtalentierte, piaffierte und passagierte sich auf Drei-Sterne-Niveau in die Landesspitze. Rang zwölf belegte Manuela Gorski zum Jahreswechsel in Baden-Württemberg – nach oben sind im Moment keine Grenzen erkennbar (rok/Foto: Sabine Beck).

 

 

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