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Samstag, 11.08.2018

Anke Simon beste Berufsreiterin des Südens


Es war spannend, für die Berufsreiterei ansich eine Visitenkarte, am Ende knapp aber verdient: Anke Simon vom Stall Staff-Reitzenstein in Bad Rappenau hat erstmals das Süddeutsche Berufsreiterchampionat gewonnen. Ihr Wallach Twenty Four wurde gleichzeitig bestes Pferd im Pferdewechsel-Finale.

Die 33-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin siegte in allen drei Prüfungen; es waren ihre ersten S-Siege überhaupt. Da zwei davon im Zwei-Sterne-Bereich liegen, ist das Goldene Reitabzeichen plötzlich ein Thema im Berufsreiterleben der Ausbilderin, die als junges Mädchen bei Horst Eulich (damals am Stall Aufrecht in Affalterbach) ihre Ausbildung gemacht hat. Vor drei Jahren ist Anke Simon nach einigen Fortbildungsjahren an großen Dressurställen im Norden nach Baden-Württemberg zurückgekehrt - und jetzt ist sie die Siegerin im Süddeutschen Berufsreiterchampionat, das sich in der großen Marbacher Arena wieder einmal zu einem hippologischen Leckerbissen entwickelte. Und um es vorweg zu nehmen: alle drei Finalisten zeigten einen Super-Job und bewiesen, dass sie ihr Handwerk (das mehr ist als das) verstehen.

Schade, dass die Gesamtstarterzahl niedrig war - nur neun Profis fassten den Mut. Drei kamen ins Finale: Neben der von Anfang an überlegenen Anke Simon die erfahrenen Pieter van der Raadt und Renate Gohr-Bimmel; beide standen bei einem solchen Championat schon auf dem Treppchen. Die Ausgangslage war hochinteressant: Simons Twenty Four konnte man am besten einschätzen: ein routiniertes S-Pferd, das der Reiter allerdings stets geschlossen halten muss, um die Rückentätigkeit zu erhalten. Renate Gohr-Bimmel brachte einen „Frischling“ in die Prüfung, den zehnjährigen Trakehner Univers, einen kompakten Rappen, noch wenig gefestigt in den Lektionen. Und Pieter van der Raadt schickte den 13-jährigen Württemberger FBW San Disco ins Rennen, der schon als junges Pferd hochdekoriert war – der seinem Reiter mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein allerdings manche reiterliche Überredungskunst abverlangt.

In der Einstiegsrunde mit den eigenen Pferden legte Anke Simon vor, zwei Prozent vor Gohr-Bimmel, sieben Prozent vor dem so oft siegenden Holländer, dessen Wallach schon unter seinem Herrn und Meister die Gefolgschaft in der Linkspirouette verweigerte. Da zuckten die beiden Kontrahentinnen einmal respektvoll zusammen. Konnte das gut gehen?

Anke Simon musste als erstes auf das fremde Pferd: auf Univers. Der Rappe war etwas irritiert, verwechselte einmal die Einleitung zum Mitteltrab mit jener zur Traversale, ging manchmal etwas gegen die Hand, abslovierte aber im Großen und Ganzen gehorsam seine Lektionen. Van der Raadt stellt Anke Simons Braunen fast ein bisschen zurückhaltend vor. Renate Gohr-Bimmel, die schon so viele S-Siege auf dem Konto hat wie andere Leute überhaupt in den Sattel gestiegen sind, musste sich als erste mit San Disco auseinandersetzen. Die Probleme stellten sich erwartungsgemäß erst im Schritt (mehrfach zackelnd) und dann im Galopp ein. In der Linkspirouette verweigerte der Württemberger, wie schon zuvor, die Kooperation.

Da schaute Anke Simon schon aufmerksam zu und begann kurz darauf, das Problem schon auf dem Abreiteplatz mit energischem Vorwärtsreiten zu lösen. In der Angstlektion  ließ sie den Galoppsprung geschickt deutlich in der Vorwärtstendenz, akzeptierte einen zu großen Kreisbogen, brachte die Pirouette aber ohne Widerstand zu Ende – das war eine Meisterleistung und machte den Sieg aus. Denn sie bekam auf San Disco sogar mehr Punkte als sein Ausbilder selbst – da war der Titel perfekt! Pieter van de Raadt  bekam die Silbermedaille, Renate Gohr-Bimmel Bronze (rok/Foto: Doris Matthaes)

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